Wechsel zur Xbox 360

Seit letzter Woche steht eine Xbox 360 Elite neben meinem Rechner. Ich hatte schon seit mitte letzten Jahres vor, mir eine Konsole anzuschaffen, habe aber bisher zwischen PS3 und 360 geschwankt. Die Entscheidung für die deutlich ältere Xbox fiel nach einiger Überzeugungsarbeit durch einen Kumpel recht schnell, obwohl ich monatelang eher auf Seiten der PS3 stand. Meine Gründe, die Umsetzung und Besonderheiten werde ich im Weiteren erläutern. Da dieser Artikel länger ist, geht es in einer Langfassung weiter.Eine Konsole… Aber der PC ist doch gut ausgestattet?
Jepp. 4GB RAM, 3GHz Core2Duo und eine GeForce 8800GT sind eigentlich eine ziemlich gute Ausstattung. Aber was nützt die Hardware wenn die Software stinkt? Rückblickend auf das letzte Jahr stelle ich fest, daß mit Ausnahme von Drakensang alle Spiele die ich mir gekauft habe oder gerne kaufen wollte, schon min. ein halbes Jahr zuvor für Konsolen erschienen; die PC-Fassungen waren nur noch mäßige Portierungen, zum Teil ohne Extras, mit Abstrichen bei der Performance und zum Teil spürbar nicht für PC ausgelegter Steuerung, darüber hinaus mit mehrfacher Accountbindung, vollkommen bescheuerten Installationslimits oder Windows-crashenden Kopierschutzen belegt. Daß ich deshalb auf viele Spiele frustiert verzichtet habe, war dann letztlich das ausschlaggebende Argument für den Kauf einer Konsole – endlich wieder auf Spiele freuen ohne eine Woche vor Release von Securom und Bundleung zerfleischt zu werden.

Ein weiteres Argument ist, daß das Umbooten entfällt – ich benutze primär Linux auf meinem Hauptrechner. Normale Titel unter Linux spielen zu wollen ist möglich aber nicht empfehlenswert. Also musste ich für jedes Spiel erstmal Linux runterfahren, Vista booten und warten bis endlich alles fertig geladen hatte. Das kostete jedesmal 5-10 Minuten; mal eben eine schnelle Runde spielen ist damit nicht möglich gewesen. Um danach wieder arbeiten zu können musste ich das ganze Spielchen nochmals rückwärts treiben. Mit einer Konsole hingegen kann ich spontan in unter einer Minute in ein Spiel wechseln und komme noch schneller wieder zurück nach Linux – oder sogar währenddessen.

Warum ausgerechnet eine Xbox? Die PS3 ist doch soviel besser!
Dachte ich auch. Dann erfuhr ich, daß die PS3 schon seit Längerem die Rückwärtskompatibilität bricht: Es ist zur Zeit nicht möglich, PS2-Spiele in einer PS3 zu starten, da Sony in neueren Revisionen (und wahrscheinlich um nochmal zusätzlich mehr PS2s zu verkaufen) die Emulation eingespart hat. Jetzt laufen einige PS1-Titel. Tooolll… Die will ich auch unbedingt noch spielen. Als Bluray-Player brauch ich die PS3 auch nicht, denn ich habe schon seit dem Upgrade meines Hauptrechners ein entsprechendes Laufwerk im PC. Alle bisher erschienenen, mich interessierenden Spiele reizen die PS3 nicht im geringsten aus, da die Xbox 360 immer die Referenzhardware stellt. Teilweise soll die Grafik auf der PS3 sogar schlechter als auf der betagteren 360 gewesen sein (u.a. Fallout 3). Rund 400€ für ein Modell mit 60GB Festplatte gegenüber einer Xbox 360 Elite (120GB) für rund 300€ hielten dann einfach nicht mehr stand, insbesondere als ich die gelungene Oberfläche der Xbox gesehen habe.

Xbox 360 Elite
Für die rund 300€ erhält man die Xbox in schwarzem Gehäuse mit einem Funk-Controller, 120GB-Festplatte, Headset und einem Probemonat Xbox Live Gold (nur damit sind Multiplayer-Partien möglich). In der GameStop-Filiale in der ich meine Box gekauft habe, erhielt ich zusätzlich noch die beiden Spiele Lego Indiana Jones und Kung-Fu Panda dazu (obwohl zur Zeit keine Bundles vertrieben werden), außerdem 1000 Punkte für Marketplace (um Add-Ons etc. herunterzuladen) und ein wenig Preisnachlass auf einen zweiten Controller. Mein Modell ist leider noch eine Falcon – die neuere Revision mit Namen Jasper verringert die Gefahr eines Ring of Death weiter, wobei die Falcon auch schon nicht mehr so kritisch war. Ohnehin tauscht Microsoft innerhalb von 3 Jahren aufgrund eines Ring of Death ausgefallene Konsolen kostenlos aus und liefert dann meist ein aktuelleres Modell (in diesem Fall wohl die Jasper). Aktuell gibt es auch eine limitierte rote Elite mit Resident Evil 5 zu kaufen, welche wohl schon eine Jasper sein sollte (die Farbe sieht jedoch ziemlich gräßlich aus). Der Box liegen dann noch etliche Kabel bei; außerdem verfügt die Elite über einen HDMI-Ausgang.

Allgemeines
Die Controller liegen sehr gut in der Hand und sind bei neueren Modellen kabellos, die Xbox lässt sich darüber sogar ferngesteuert ein- und ausschalten, die Batterien müssen scheinbar eher selten gewechselt werden (alternativ kann man natürlich Akkus einsetzen oder auch das offizielle Play & Charge-Kit mit Akku und Ladekabel für die Xbox kaufen). Die Festplatte lässt sich wechseln, was bei der 120er-Platte aber in den seltensten Fällen nötig sein wird. Die Box lässt sich entweder stellen oder legen; wichtig ist, daß diese während Zugriffen auf die DVD nicht bewegt wird, sonst drohen (zumindest im vertikalen Betrieb) Schäden, für die Microsoft nicht aufkommt. Spiele lassen sich auf Wunsch auf die Festplatte installieren, um Ladevorgänge zu beschleunigen und die recht lauten Geräusche des DVD-Laufwerks zu vermeiden; zum Starten muss dennoch die DVD eingelegt werden (Kopierschutz/Signatur).

Ist die Box ans Internet angeschlossen (LAN-Kabel oder separat erhältlicher WLAN-Adapter) steht Xbox Live und damit auch Marketplace zur Verfügung. Die kostenlose Variante Silver ermöglicht schonmal den Download von Demos und Videos, sowie ein Onlineprofil mit Achievements und daraus resultierendem “Gamerscore” (Punkte für Achievements). Microsoft bietet auch einige Filme zum Mieten auf Marketplace an; darüberhinaus lassen sich u.a. Add-Ons zu spielen – teils kostenlos, teils kostenpflichtig – herunterladen. Ebenso lassen sich Arcade-Spiele und einige Spiele der alten Xbox online kaufen und herunterladen. Die Downloads erfolgen im Hintergrund (sogar während gespielt wird) und können später komfortabel über Sortierfunktionen erreicht werden. Neu verfügbare Downloads werden ohne viel Sucherei unter einem eigenen Menüpunkt dargestellt.

Mit Xbox Live Gold steht auch ein Video-Chat mittels der separat erhältlichen Webcam zur Verfügung. Xbox Live Gold erlaubt Multiplayer-Spiele über das Internet und das sogar mit Voice-Chat. Das Headset hat einen normalen Klinkenstecker und sollte damit ersetzbar sein. Übrigens lässt sich alternativ zu den niedlichen Mini-Tastaturen für den Controller auch eine vollwertige USB-Tastatur anschließen. Kleinere Nachrichten (sogar mit kurzen Audio-Botschaften) lassen sich auch via Silver austauschen und sogar der MSN-Chat lässt sich einbinden. Das Online-Profil lässt sich übrigens auch mit einem MSN-Account nutzen, da Microsoft alles unter “Live” zusammengeführt hat.

Außerdem kann die Xbox 360 im Zusammenspiel mit einem PC mit Windows Media Player als Streaming-Client verwendet werden. Selbst ohne PC lassen sich auch die üblichen Multimediafunktionen nutzen wie das Abspielen von Audio-CDs und DVDs, MP3s/WMAs und dem Ansehen von Bildern und Videos, und das sogar mit per USB angeschlossenen Speichergeräten. Für mich ergeben diese Zusatzfunktionen keinen Sinn, da die Box eh direkt neben dem Rechner steht, aber wenn die Xbox in einem anderen Raum an einem Fernseher stehen würde wäre das natürlich ein fantastischer Zusatznutzen.

Die Spiele-Grafik muss natürlich hinter dem PC zurückstecken – da die Konsolenportierungen jedoch größtenteils lieblos durchgeführt werden, merkt man das nur bei wenigen Spielen. In jedem Fall läuft die Grafik auf der Xbox flüssig und dafür in erstaunlicher Qualität (was vorallem der miesen Portierung auf PCs geschuldet sein dürfte). Während eines Spiels fallen die Qualitätsunterschiede jedoch ohnehin kaum noch auf, da man dann mit anderen Dingen beschäftigt ist, als Pixel auf Texturen zu suchen. 😉

Zuerst wollte ich mich nach dem Kauf der Xbox ärgern. Erstmal war die Faceplate (die Frontseite des Gehäuses) angeknackst und die Abdeckung der vorderen USB-Anschlüsse abgefallen (die fehlende Feder fand sich auch nirgendwo, muss also schon im Werk passiert sein): Hier half jedoch ein Anruf bei GameStop, damit ich die beschädigte Faceplate abnehmen und sofort – ohne die ganze Xbox zurückzutragen – umtauschen konnte. Ganz dicker Pluspunkt an GameStop!

Kaum hatte ich die Faceplate dann dran kam auch schon das nächste Unglück: Der linke Stick des mitgelieferten Controllers quietscht laut und lässt sich schwerer bewegen. Da die schwarzen Controller 45€ kosten ein ziemlicher Grund zum Ärgern. Ein Blick in Foren konnte mich dann aber beruhigen, als ich las, daß auch hier Microsoft sehr kulant ist und bei Meldung des Schadens sofort einen neuen auf den Weg schickt. Gesagt, getan: Am Montag gleich beim Support angerufen, die Xbox registriert und nun ist tatsache ein weiterer Controller zu mir unterwegs.

Anschluss an den Monitor – eine Odyssee durch HDMI und DVI zurück zu VGA
Um den prinzipiellen Anschluss einer Xbox per HDMI-Kabel mit DVI-HDMI-Adapter an meinen TFT-Monitor SyncMaster 245B plus von Samsung zu testen, war zuerst noch ein Kumpel mit seiner Xbox hier. Danach war der Weg frei für den Kauf einer eigenen. Der Anschluss über einen Adapter, wie er aktuellen Grafikkarten beiliegt, funktioniert bestens; der Monitor benötigt keinen separaten HDMI-Eingang. Im Grunde ist HDMI nichts anderes als DVI, nur mit zusätzlichen Leitungen für Audiosignale (jedoch gibt die Xbox Audio getrennt aus). Die Adapter haben keine Signal-Richtung wie es z.B. bei SCART der Fall wäre; somit kann jeder HDMI-DVI-Adapter verwendet werden. Audio läuft bei der Xbox über einen digitalen Ausgang und Cinch, die nötigen Kabel/Adapter liegen bei.

Nachdem ich mich über den DVI-Eingang meines TFTs eingespielt hatte, musste ich feststellen, daß es keine günstigen Umschalter gibt, die wirklich die volle Auflösung meines Monitors ermöglichen. Zuerst dachte ich, es müsse irgendwo KVM-Switches wie früher geben, die einfach mechanisch die Anschlüsse umschalten. Leider konnte ich weder für HDMI noch DVI einen entsprechenden Switch finden. Alles was es zu kaufen gibt schaltet elektronisch um und muss somit zu den jeweiligen Frequenzen/Auflösungen des Signals kompatibel sein. Teilweise wird durch Verstärker o.ä. noch am Signal rummanipuliert. Das mag bei längeren Leitungen von Vorteil sein, aber ganz sicher nicht, wenn es nur um max. 2x2m Kabel geht. HDMI-Switches lassen zum Teil auch schon für 70€ ein Full HD-Signal (1080p; 1920×1080 bei 60 Hz) durch, allerdings klappt das nicht immer ohne Probleme. DVI-Switches lassen für diesen Preis noch weniger durch, i.d.R. nur bis 1280×1024, also etwas mehr als “HD ready” (720p; 1280×720 bei 60Hz). Möchte ich exotischere Auflösungen, wie am PC üblich, durch den Switch bekommen, bieten sich aber nur die DVI-Switches an. 1080p reizt leider noch nicht meinen im 16:10-Format gehaltenen Monitor mit 1920×1200 nativer Auflösung aus. Nebenwirkungen dieser Switches können Bildstörungen oder -ausfälle sein; wenn die Switches an den DCC-Signalen sparen sogar Probleme mit Plug&Play bzw. Monitorprofilen etc. Ein DVI-Switch mit voller Auflösung ist nicht unter 170€ zu haben und für den Preis würde ich bereits eine zweite Xbox 360 bekommen, nämlich das Arcade-Modell. Das ist mir also definitiv zu teuer.

Die Notlösung: Seit vorhin läuft die Box mit dem VGA-Kabel von Microsoft (~30€ über Amazon), denn mein Monitor hat noch einen ungenutzten VGA-Eingang (zudem sind Switches für VGA deutlich günstiger). Ich habe keine Signalstörungen, das Bild sieht auf meinem Monitor genauso gut, wenn nicht sogar besser als das HDMI-Signal aus. Microsoft legt sogar noch zwei Adapter bei, einen für eine Kupplung mit einem zweiten Monitorkabel und einen Adapter von Cinch (Buchse) auf 3,5er Klinke (Stecker). Diese kann man unabhängig vom VGA-Kabel immer mal gebrauchen. Das Kabel scheint sehr gut verarbeitet zu sein.

Für Audio kommt ein kleiner Switch von Skymaster (der hier) zum Einsatz – im Gegensatz zum VGA-Kabel ist dieser nur mäßig verarbeitet, funktioniert aber hervorragend und ist schön klein.

Besonderheiten meines Monitors
Der Syncmaster 245B plus verhält sich etwas eigenartig. Die HD-Auflösungen 720 und 1080 werden von 16:9 auf 16:10 gestreckt, alle anderen 16:9-Auflösungen werden jedoch korrekt mit schwarzem Balken gezeigt. Ich bin nicht sicher, ob ich das als Bug, Feature oder Gängelung einordnen soll: Bug weil nicht beabsichtigt, Feature weil sich jemand dachte “wer HD-Signale auf den Monitor gibt will bestimmt Vollbild sehen” oder Gängelung, da es von Samsung auch Monitore mit richtigem HDMI-Eingang gibt und meiner eben ein Modell ohne ist. Optionen im Menü gibt es dazu nicht; normalerweise wird das Verhalten über die Grafikkarte festgelegt, was die Xbox jedoch nicht bietet.

Der Monitor unterstützt nur vertikale Frequenzen zwischen 56 und 75 Hz. Somit kann die Xbox kein PAL-Signal auf den Monitor ausgeben, lediglich PAL-60 und HD-Auflösungen (bzw. die weiteren Auflösungen nach dem Firmware-Update) können genutzt werden. Auf etliche Titel der alten Xbox muss damit an diesem Monitor verzichtet werden, obwohl die Xbox 360 abwärtskompatibel zur alten Konsole ist.

Bei zwei weiteren Phänomenen bin ich mir nicht sicher, ob der Monitor oder die Xbox dafür verantwortlich sind: Beim Anschluss über HDMI zeigt der Monitor seltsame doppelte und verschobene Linien im Bild, sobald 1920×1080 als Auflösung gewählt wird. Nach der Auswahl von “No, try again” funktioniert die Darstellung dann aber korrekt.

Nach dem Anschluss via VGA gibt es ein ähnlich kurioses Phänomen mit 1920×1080. Diesmal erscheint nur ein verschobener 4:3-Ausschnitt des Bildes. Abschalten der Xbox und des Monitors mit Neustart etc. helfen nicht, auch nicht ein mehrmaliges “No, try again”. Nach dem Wechsel durch verschiedene andere Auflösungen klappt es dann aber doch: Ohne erkennbarem Grund liegt plötzlich 1920×1080 als Signal an (und das sogar mit dem oben beschriebenen Streck-Phänomen meines Monitors).

Die beiden Probleme haben eins gemeinsam: Hat es einmal geklappt, dann klappt es immer. Die korrekte Einstellung bleibt gespeichert. Ich tippe also auf ein Problem der Xbox. (davon abgesehen sieht auch die zweithöchste Auflösung, 1680×1050, kaum anders aus und wird vom Monitor sogar korrekt auf 16:9 dargestellt)

günstige Spiele aus England
Momentan sind Konsolenspiele u.a. aus England unglaublich günstig zu bekommen. Die meisten (Vorsicht vor dem Import von Spielen auf der nicht-öffentlichen B-Liste; der Import steht unter Strafe!) verschickt u.a. Amazon UK problemlos nach Deutschland; Lieferzeit ca. 3-5 Tage für ~8-10€ Porto (normaler Versand, kein Express). Meistens gleicht schon der Import eines einzigen Spiels die Versandkosten wieder aus und man hat trotzdem noch etwas gespart. Die Europa-Versionen von Konsolenspielen bieten meist auch deutsche Untertitel, wenn nicht sogar bei wenig Text eine deutsche Sprachausgabe (steht allerdings nicht dabei).

Erleichterung
Endlich bin ich der sich in den letzten Jahren entwickelten Kundenverarsche der PC-Spiele entkommen und kann mich auf Spiele wieder freuen. U.a. der Verleih von PC-Spielen ist dank Zwangsaktivierung inzwischen nahezu unmöglich geworden, da man nie sicher sein kann, ob alle Dritt-Installationen auch wirklich wieder korrekt freigegeben wurden. Mit Konsolenspielen kann dank der abgesicherten Plattformen endlich wieder ganz entspannt gezockt werden. (da man ja eh nur spielt ergeben sich daraus auch keine Nachteile; anders als bei den Versuchen TPM/TCPA/Palladium auf PCs zu etablieren)